Kultur - 01/2015

Aus Tansania Information
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Musik

In Bagamoyo (Küstenregion) fand erstmals das 3-tägige „Karibu Music Festival“ statt. Nationale und internationale Musiker nahmen teil. Die Veranstalter zeigten sich mit dem Publikumsinteresse zufrieden und möchten das Festival im jährlichen Rhythmus wiederholen. Das Festival soll tansanische mit ausländischen Musikern in Kontakt bringen, tansanische Künstler und das historische Bagamoyo bekannt machen.

Der aus Tanga gebürtige, seit 25 Jahren in Kanada lebende Musiker Joseph Rebello will über Weihnachten in Tansania auftreten und sein Projekt eines „CanTan“ Sound vorantreiben. Er möchte mit seinen Auftritten das „Tanga Sober House“ fördern, das sich der Vorbeugung gegen und Behandlung von Drogenabhängigkeit widmet.

Der Sänger Ali Kiba brachte sein drittes Album heraus. Er will mit seinen Liedern junge Menschen positiv beeinflussen und vor Gefahren wie Drogen warnen. Ein Beispiel dafür ist der Song „Mwana“ (Sohn), der auf einen an Rauschgift gestorbenen Sänger anspielt.

Tansanias bekanntester und beliebtester Sänger, der Bongo-Flava-Musiker Nasibu Abdul (Künstlername Diamond Platnumz) wurde in seiner Heimat und bei einem internationalen Wettbewerb in Südafrika mit vielen Preisen ausgezeichnet. Er konnte sich gegen afrikaweit bekannte Popstars aus Nigeria und Südafrika durchsetzen. Diamond verkauft die meisten Klingeltöne in TZ und unterstützte die CCM bei der letzten Wahl.

Festivals, Ausstellungen

In Arusha präsentierte das „Arusha International Cultural Diversity Festival“ 150 Künstler in den Bereichen traditioneller und zeitgenössischer Tanz, Theater, Kurzfilm, Lyrik, Geschichtenerzählen, Akrobatik und Schlangenbeschwörung. Das Festival fand erstmals 2010 statt und soll nun jährlich, möglichst auch mit internationalen Künstlern, wiederholt werden.

Am Nyassasee fand das zweite Matema Beach Festival statt, das traditionelle Fertigkeiten fördern will. Es gab Wettbewerbe in überlieferten Spielen wie Bao, in Rudern, Bogenschießen und Strohflechten. Besonderes Interesse fand der Bao-Wettbewerb mit 32 Experten. Hier zog eine junge Frau aus DSM Sympathien auf sich. Obwohl die einzige weibliche Bao-Spielerin gleich am Anfang ausschied; erhielt sie als Trostpreis einen traditionellen Kocher.

Die Organisatorin einer Ausstellung von Gemälden und Skulpturen tansanischer Künstler äußerte Bedauern darüber, dass junge Leute traditionelle Werte vernachlässigen und globalen Trends folgen. Besonders traurig sei die Zerstörung des traditionsreichen Nyumba ya Sanaa (Haus der Kunst) 2012, um einem modernen Gebäude Platz zu machen. Dieses Haus habe seit 1974 Generationen von jungen Künstlern Heimat und Anregungen geboten.

Nyumba ya Sanaa wurde von J. Nyerere gefördert und von George Lilanga (1934 – 2005) stark beeinflusst. Lilanga arbeitete dort als Wächter bis sein Talent von Sister Jean erkannt wurde. Er war mit seiner „Shetani Art“ einer der großen Anreger der tansanischen Plastik und Malerei. Seine „Teufel“ seien Erben der ungebärdigen Geister der Makonde-Kosmologie. Manche Werke Lilangas seien illegal in den Westen verkauft worden. Die geretteten Lilanga-Friese aus dem Nyumba ya Sanaa werden im neugeschaffenen Lilanga-Hof des Nationalmuseums ausgestellt. Lilanga erlebte seinen internationalen Durchbruch 1978 bei einer Ausstellung tansanischer Künstler in Washington DC. Seine Werke, Schnitzkunst, Gemälde auf Leinwand, Ziegenhaut und Kalebassen, sowie Batik-Arbeiten, waren auch schon in Düsseldorf, Paris, London und Tokyo zu sehen.

Kulturförderung

Die EU unterstützt den Bau eines neuen Maasai-Kulturzentrums in Ramat (Ngorongoro-Distrikt). Die Pläne dazu wurden von Studierenden der Ardhi-Universität DSM und der schwedischen Liechtenstein-Universität entworfen.

Die Stiftung „Bessere Geschäftsbedingungen in TZ“ (BEST-Dialogue – www.best-dialogue.org) hilft Geschäftszweigen, Hindernisse zu erkennen und zu überwinden. Projektleiter H. Determeyer betonte, seine Organisation wolle besonders kreative Unternehmen im Bereich Film, Musik und Theater fördern. Künstler könnten am ehesten schädliche Umstände aufdecken und zu erwünschtem Verhalten ermutigen.

Die Steuerbehörde will mithelfen, die weitverbreiteten Verletzungen des Urheberrechts tansanischer Künstler zu bekämpfen. Produzenten, Verkäufer und das allgemeine Publikum machten Raubkopien von Musik und Filmen. Dadurch würde den Kreativen der Lohn für ihre Arbeit entzogen.

Geschichte und Sozialleben

Die 2004 als gefährdet eingestuften Welterbe-Stätten Kilwa-Kisiwani und Songo Mnara werden inzwischen als ausreichend gesichert und renoviert betrachtet und wurden wieder von der Gefährdungs-Liste gestrichen.

Die indisch-stämmige Autorin Urmila Jhaveri veröffentlichte ein Buch mit dem Titel „Dancing with Destiny“ über die Rolle der Tansanier indischer Herkunft beim Kampf um die Unabhängigkeit und beim Aufbau des Landes. Obwohl nur etwa 45.000 Inder in TZ leben, gelten sie wegen ihrer wichtigen Rolle im Handel als zahlreich und einflussreich.

Ein Autor des East African weist darauf hin, dass Internet, allgegenwärtige Mobiltelefon-Kameras und kaum erkennbare Überwachungskameras die Privatsphäre zunehmend durchlöchern, die mit Türen, Fenstern, Vorhängen, Zäunen und Passwörtern in den jüngsten Generationen entstanden ist. Damit kehrt die moderne afrikanische Gesellschaft zu einem Sozialverhalten zurück, wie es die Großeltern im dörflichen Umfeld kannten, wo quasi alles in der Öffentlichkeit stattfand. Die moderne Sozialkontrolle macht es schwieriger, ein Doppelleben zu führen. Dies könnte, so bemerkt der Verfasser maliziös, sogar manchen Fehltritt verhindern.

Nach dem „World Giving Index“ der Stiftung für Wohltätigkeits-Hilfe (www.cafonline.org) erreicht Tansania nur den 87. Rang bei freiwilligen Spenden, weit hinter Kenia (Platz 15). In TZ gilt Kenia traditionell als egoistisches Land des rücksichtslosen Kapitalismus. Die Befragten sollten angeben, ob sie im letzten Monat Geld gespendet, Zeit für eine Hilfsorganisation aufgewendet und / oder einem Fremden geholfen hätten. In Tansania halfen nach eigenen Angaben 44% einem Unbekannten, 23% spendeten Geld und 13% opferten Freizeit für soziale Zwecke. Weltweit am gebefreudigsten stufen sich die USA und Myanmar ein (dort wegen der vom Theravada-Buddhismus geforderten Gaben an Mönche und Nonnen). In reichen Ländern sind die Frauen, in ärmeren die Männer gebefreudiger.

Schönheit und Mode

Um die nationale Schönheitskönigin gab es hitzige Kontroversen in den sozialen Medien. Sitti Mtemvu war zur Miss Tanzania gekürt worden, strauchelte aber darüber, dass sie sich jünger gemacht hatte, als sie ist. Die Altersgrenze liegt bei 24 Jahren. Als nach Geburtsurkunde 25-Jährige verzichtete sie nach langem Hin und Her auf die Krone. Die Zweitplatzierte, Happiness Watimanywa, wurde Miss Tanzania und immerhin Zweite beim Publikumspreis in London, während die Südafrikanerin Rolene Strauss den Titel Miss Welt 2014 errang.

Die tansanische Mode-Designerin Husna Tandika entwarf die Bekleidung für Miss Tansania 2013 und 2014. In Deutschland geboren, studierte sie in Italien, arbeitete dann für die italienische Botschaft und die Organisation für Migration. Inzwischen betreibt Husna ihre eigene Firma mit dem Label „H & A Dress to Impress“. Sie verbindet traditionellen Kleidungsstil mit internationalen Trends. Die 33-Jährige versucht, vier jobs unter einen Hut zu bringen: Modefirma, 2 Kinder, Ehefrau und Büroarbeit.

Eine alte Weberin von Sansibar-Hüten (kofia ya kiua, kofia barghashia) beklagte, dass die traditionelle arabisch-ostafrikanische Kopfbedeckung zwar gern getragen wird, viele jungen Männer aber überhaupt nicht wüssten, wie der Hut bei welchem Anlass auf dem Kopf zu sitzen hat. Zu einer Hochzeit wird er anders aufgesetzt als zur Freizeit oder beim öffentlichen Gebet oder einer Festversammlung. Eine handgewebte Barghashia herzustellen dauert etwa eine Woche. Die sansibarischen Frauen können sie für TZS 40.000 bis 100.000 verkaufen. Maschinell hergestellte Exemplare aus Oman kosten TZS 3.000 bis 20.000.

Business Times 12.12.14; Citizen 19.,21.07.; 09.,10.11.14; DN 13.08.; 12.09.; 23., 28.10.; 01.,16.,18.12.14; Guardian 20.,21.,23.09.14; East African 22.11.14