Projekt des Soda-Abbaus am Natronsee aufgegeben - 11/2008

Aus Tansania Information
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<Siehe Tans.-Inf. 10/07 S. 6>

Die National Development Corporation (NDC) plante mit der TATA Chemicals Ltd., einer indischen Firma, am Natronsee (Arusha-Region) pro Jahr 500.000 t, später 1 Mio. t Soda zu produzieren, eine Straße, eine Eisenbahnverbindung und eine Stromleitung zu bauen, Arbeitsplätze für 500 Angestellte und 2.000 Saisonarbeiter zu schaffen.

Umweltschützer aus Tansania und Kenia und viele Umweltschutzorganisationen kritisierten dieses Projekt scharf. Sie wiesen auf gravierende negative Auswirkungen auf die soziale Struktur und die Umwelt hin. Der Mineralgehalt des Seewassers komme aus dem Gleichgewicht. Die Flamingos würden vertrieben. Der Natronsee sei das wichtigste Brutgebiet der seltenen Art der Lesser Flamingos. Im Rahmen der von Tansania unterzeichneten Ramsar Site Convention, einem Übereinkommen zum Schutz von Feuchtgebieten, ist der Natronsee ein geschütztes Feuchtgebiet.

Um die Flamingos nicht zu gefährden, stimmte die TATA Chemicals Ltd. einer Verlegung des Abbaugebietes um 30 km zu. Das garantiere eine friedliche Koexistenz mit den Flamingos, hieß es.

Zwei internationale Vogelschutzgesellschaften schlossen sich den 32 gegen den Soda-Abbau kämpfenden Umweltschutzorganisationen an und betonten, auch am nun gewählten Ort bedrohe die Anlage die Flamingos. Seit am Lake Magadi in Kenia ein ähnliches Projekt durchgeführt wurde, seien die Flamingos dort verschwunden.

Ein NDC-Direktor sagte, bisher hätten die Umweltschützer keine überzeugenden wissenschaftlichen Beweise vorgelegt. Man werde eine von der Regierung genehmigte zweite Studie zur ökologischen und sozialen Auswirkung durchführen. Regierung und Investoren liege daran, den wirtschaftlichen Nutzen des Sodas als auch der Flamingos, hinsichtlich lokaler und internationaler Interessen maximal auszuschöpfen.

Manche Einwohnern der Dörfer am Natronsee warteten ungeduldig auf den Beginn des Soda-Abbaus. Andere sind entschieden dagegen.

Die TATA Chemicals Ltd. erklärte sich bereit, auf eine weitere Studie zu den ökologischen Auswirkungen zu warten. Wegen wachsenden Drucks vonseiten der Umweltaktivisten wurden die Pläne ausgesetzt. Die Regierung aber verteidigte das Projekt weiterhin.

Anfang Oktober gab die TATA Chemicals Ltd. bekannt, angesichts der starken Opposition der Umweltschützer habe sie beschlossen, das Projekt zu stoppen. "Was uns betrifft gehen wir nicht auf Tansania zu, bis Tansania wieder auf uns zugeht", sagte der Stellvertretende TATA-Vorsitzende. (DN 21.5./1.7.08; Guardian 1./ 24.1./25.3./1./29.5.08; Citizen 16./ 24./28.5.08; Arusha Times 14.6.08; ThisDay 10.10.08; The E.A. 12.5.08)