Zu Stromversorgung und Stromsperren - 10/2006

Aus Tansania Information
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Regierung und Stromversorgung

Die Tanzania Electric Supply Company (Tanesco), eine staatliche Einrichtung, hat das Recht, die Stromtarife jährlich um 5 % anzuheben. Ist mehr nötig, muss sie die Zustimmung der Regierung einholen.

Die Regierung wünscht, dass die Abhängigkeit von Wasserkraftwerken ende (im Augenblick 30%), unterschiedliche Quellen genutzt werden, z. B. die gewaltigen Gasvorkommen und die Kohle aus Kiwira und Mchuchuma. Anfang Juni sagte Präsident Kikwete, die zwei Wasserkraftwerke, Mtera und Kidatu, würden denmächst geschlossen, die Stauseen für andere Zwecke genutzt.

Die Tanesco soll stärker wirtschaftlich arbeiten, sich die Abhängigkeit von der Regierung abgewöhnen und die Zahl ihrer Kunden steigern. Im Augenblick sind es nur 10-15 % der Bevölkerung.

Der Stellvertreter des Ministers für Energie und Bodenschätze sagte, die Tanesco müsse gegen die illegalen Stromanschlüsse und die Korruption kämpfen.

Die Regierung erhöhte die Zuteilung für das Ministerium für Energie und Bodenschätze von 3,2% auf 9,2 % des Haushalts.

Neue Anlagen

Die Tanesco vereinbarte mit einer finnischen Gesellschaft, Lieferung und Installation eines mit Gas der Songo-Songo-Inseln betriebenen 100 MW-Generators für Notfälle.

Vier Generatoren aus den USA, zwei gemietet, zwei erworben, wurden wegen akuten Strommangels zwei Monate früher als geplant geliefert, denn die Wirtschaftsunternehmer hatten geäußert, verbessert sich die Stromversorgung nicht, müssten sie Angestellte entlassen.

Die Regierung verwendet Gelder, die durch den Schuldenerlass im Land bleiben, eigentlich für Armutsbekämpfung gedacht sind, um Generatoren für den Notfall zu erwerben.

Die Einwohner eines Dorfes im Lushoto-Distrikt (Tanga-Region) haben nun Strom, weil die Tanzania Traditional Development Organisation (Tatedo) und die UN Industrial Development Organisation (UNIDO) ein Mini-Wasserkraftwerk errichteten.

Das Kohlebergwerk Kiwira Coal Mine (KCM) in der Mbeya-Region hat die Vorbereitungen für die Erzeugung von 200 MW Strom abgeschlossen. Er kann ins landesweite Netz eingespeist werden, sobald die Regierung ihren Segen gibt. Die KCM könnte noch mehr Strom erzeugen, die von der Regierung erteilte Lizenz erlaubt aber nur 200 MW.

Stromsperren

Im April endeten die landesweiten Stromsperren, denn es hatte ausgiebig geregnet.

Anfang Juni wurde der Strom wieder von 7 Uhr bis 19 Uhr abgeschaltet, aus Sicherheitsgründen nicht während der Nacht. Die Fertigungsindustrie wurde verschont.

Doch Mitte Sept. gab die Tanesco bekannt, nun werde man Stromsperren auch in Industriebetrieben und in Sansibar einführen; in den Haushalten würden sie von fünf auf sieben Tage verlängert. Die Regierung wird dafür sorgen, dass Krankenhäuser und andere lebensnotwendige Einrichtungen Strom haben.

Mitte Sept. sagte Premierminister Lowassa, die Tansanier müssten sich auf Stromsperren von mehr als 12 Stunden gefasst machen. Sie sollten Geduld haben, die Regierung sei dabei, das Problem zu lösen. Sie suche nach alternativen Möglichkeiten. Er rechne damit, dass sich die Lage Mitte Okt. bessere.

Für die Zeit des Ramadhan wird der Strom um 6 Uhr ab-, um 17 Uhr schon wieder angeschaltet. Außerdem kann Songas nun zusätzlich 75 MW ins Netz einspeisen.

Ursachen der unzureichenden Stromversorgung

Im Kidatu- und im Kihansi-Stausee sank der Wasserspiegel infolge geringer Niederschläge sehr stark. Geht er noch mehr zurück, müssen die Kraftwerke vollständig abschalten.

Anfang Sept. brach im Ubungo-Kraftwerk (Dar-es-Salaam) eine gasbetriebene Turbine zusammen. Sie wurde zur Reparatur in die Niederlande geflogen, kommt voraussichtlich nach zwei Monaten zurück.

Mitte September war eine weitere gasbetriebene Turbine defekt. Die Tanesco bat Organisationen, die an Stromgewinnung interessiert sind, und solche mit Stromüberschuss um Hilfe.

Der private Sektor meint, die Stromkrise sei die Folge der bei der Bestellung von Geräten herrschenden Bürokratie.

Maßnahmen gegen Energiekrise

Der Tanesco-Direktor sagte, sobald gemietete Generatoren gegen Ende des Jahres installiert seien, werde sich die Lage verbessern. Es gibt umfassende Pläne, Gas-turbinen zu leasen und zu erwerben. Dr. Ibrahim Msabaha, Minister für Energie und Bodenschätze, sagte, Ende Sept. werde ein Not-Generator installiert.

Die Regierung will aus Thailand die Technologie des künstlichen Regens einführen, damit die Wasserkraftwerke arbeiten können. Wasserexperten warnten die Regierung davor, Regen zu erzeugen. Das könne Klima, biologische Vielfalt und Bodenfruchtbarkeit beeinträchten und das Wasser belasten.

Sansibars Minister für Wasser, Energie und öffentliche Bauvorhaben sagte, man plane, Experten nach Insrael zu schicken, damit sie lernten, wie die Meereswellen für Stromerzeugung genutzt werden können. An den Küsten der Inseln Sansibar und Pemba solle ein Pilotprojekt starten. Man habe informelle Gespräche mit einer israelischen Privatfirma initiiert.

Ein Geschäftsmann riet der Regierung, von anderen Ländern, die ähnliche Krisen erlebt hätten, zu lernen und kurzfristige Maßnahmen zu ergreifen, z. B. den Dienst von Energieschiffen mit großen Generatoren anzumieten.

Reaktionen auf die Energiekrise

Wasserminister Stephen Wassira verbot die Bewässerung der Felder am Oberlauf der Flüsse, die den Mtera-Stausee speisen; an ihm liegt das wichtigste Kraftwerk Tansanias. Die dortigen Landwirte rechnen mit einer akuten Lebensmittelverknappung. Doch der Minister sagte, lieber werde er die Dorfbewohner mit Lebensmitteln versorgen, als zuzulassen, dass die Stromknappheit große wirtschaftliche Verluste verursacht.

Die Geschäftswelt forderte die Regierung auf, den Notstand auszurufen, damit das Land aus der Energiekrise und der auf diese folgenden Stagnation der Wirtschaft errettet werde. Der Vorsitzende der Tanzania Private Sector Foundation (TPSF) sagte: "Unser Land ist in einer alarmierenden, nie dagewesenen Energiekrise. Sie wird jeden Tag schlimmer."

Viele arbeiten nun in der Nacht, weil es am Tag keinen Strom gibt. Der Stromverbrauch stieg. Die Tanesco kritisiert, fast niemand spare Strom, was die Lage verschlimmere.

Auswirkungen der Energiekrise

Wegen der Stromprobleme ist das Wirtschaftswachstum des Fertigungssektors ziemlich gering.

Die Stromknappheit ist ein Lackmustest für Präsident Kikwete, denn die Folge der Stromsperren ist voraussichtlich, dass von den Fortschritten der letzten zehn Jahre nichts übrig bleibt.

Es ist wahrscheinlich, dass die Stromsperren die heimische Wirtschaft total ruinieren. Die meisten Betriebe machen hohe Verluste, andere sind am Zusammenbrechen. Die brutalen Stromunterbrechungen und die Stromschwankungen ruinieren die Maschinen, Backöfen, Computer, Kühlschränke. Oft muss man verdorbene Lebensmittel wegwerfen. Das Bereitstellen von Notaggregaten verursacht zusätzliche Kosten. Das Computerzentrum der Dar-es-Salaamer Universität in Arusha lässt Unterricht ausfallen, um nicht noch mehr für Diesel ausgeben zu müssen. Außerdem muss man neue Computer anschaffen. Die Serengeti Band schuf ein Lied über die Strommisere, als ihre Geräte infolge von Stromschwankungen nicht mehr funktionierten.

(DN 7.6./16./20./22./26.9.06; Guardian 25./26.4./3.5./7.6./3./12.7/4./8/9./ 15./16./18./20./22.9.06; Observer 17.9.06; Arusha Times 16.9.06; The East African 13.6./12.9.06; Business Week 26.6.06)