Zur Straße durch den Serengeti National Park, weitere Entwicklung der Pläne - 08/2011

Aus Tansania Information
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Plan

Die tansanische Regierung plante, eine Straße zu bauen, die nicht wie die bisher genutzte auf 260 km die Ngorongoro Conservation Area und den Serengeti Nationalpark durchquert, wodurch die dort lebenden Wildtiere gefährdet werden. Die geplante Straße soll nur 52 km durch den Serengeti Nationalpark führen, diese Strecke nicht geteert werden. <Siehe Tans.-Inf. 4/11 S. 2> (Arusha Times 25.3.11)

Einwendungen, Alternative

Mazingira Network (Manet), ein Netzwerk aus 56 Umweltorganisationen, verabschiedete eine neue Petition gegen den Plan der Regierung, eine Straße, die ein Stück weit durch den Serengeti Nationalpark führt, zu bauen, denn auch wenn man den durch den Nationalpark führenden Abschnitt nicht teert, werde die Wanderroute des Wildes zerstört.

Manet bat die Regierung, Zubringerstraßen zu bauen, die zu den Distrikt-Hauptstädten rings um den Nationalpark führen. Es nimmt damit den Vorschlag Deutschlands auf, den Plan, eine Straße durch die Serengeti zu bauen, aufzugeben. Man werde helfen, Zubringerstraßen zu den acht Distrikthauptstädten zu bauen. <Vergl. Tans.-Inf. 4/11 S. 2> Man sei auch überzeugt, dass die Menschen Straßen benötigen, um ihre Waren zu den Marktzentren zu bringen. Es wurde nicht genannt, wie viel Geld die deutsche Regierung für das viele Mio. teure Straßenprojekt zuschießt.

Auch ein Verantwortungsträger des World Wildlife Fund (WWF) drängte die Regierung, Möglichkeiten für eine neue Route zu suchen. (Guardian 25.3.11; Citizen 25.3.11; Arusha Times 25.3.11)

Diskussion

Der WWF organisierte in Dar-es-Salaam einen Dialog für die betroffene Bevölkerung, Politiker, Beteiligte und Umweltfachleute.

Die Vertreter des Tourismussektors sind gegen den Plan, die Menschen des Maasai- und des Kurya-Volkes dafür, dass die Straße gebaut wird.

Einige Redebeiträge:

Der Abgeordnete des Wahlkreises Ngorongoro sagte, die geplante Straße würde die sozialwirtschaftliche Entwicklung dieses rückständigen, total verarmten Gebietes stimulieren. Er hätte nichts dagegen, wenn sie am Kleins Camp an der Grenze zwischen dem Wahlkreis Ngorongoro und der Serengeti endete. Er kritisierte, die Umweltaktivisten opponierten gegen den Bau der Serengeti-Straße, seien jedoch stumm in Bezug auf andere zerstörerische Aktivitäten der Menschen, die die Wanderroute der Gnus stören. Er frage, warum Umweltfreunde nicht dagegen sind, wenn in den Nationalparks Hotels gebaut und Landestreifen angelegt werden.

Ein Verantwortungsträger des Dorfes Ngorongoro berichtete, große Flugzeuge der Ortello Business Corporation (OBC) landeteten dort. <Vergl. Tans.-Inf.6/93 S. 5; 4/95 S. 6; 7/00. S.3; 11/09 S. 8> "Meine Leute wollen die Straße", betonte er. Früher wanderten die Tiere vom Maasai Mara Nationalpark in Kenia Richtung Serengeti - und Ngorongoro Nationalpark, Manyara, Tarangire und Mkomazi in Tansania, dann zurück in den Tsavo - und den Amboseli Nationalpark in Kenia, berichtete er. Aber Aktivitäten der Menschen hätten ihnen diese Route versperrt. Es sei eine Schande, wenn Ausländer, die wenig von den Schwierigkeiten der Menschen rund um den Nationalpark wissen, behaupten, sie sprächen für diese.

Eine Frau aus Loliondo sagte: "Wir Frauen werden am härtesten getroffen, denn die meisten Maasai-Frauen entbinden zu Hause. Wenn es Komplikationen gibt, müssen sie für medizinische Versorgung bis zu 200 km laufen. Wir sind das leid und wollen die von Präsidenten versprochene Straße", betonte sie.

Der Exekutivsekretär der Tourism Confederation of Tanzania (TCT) berichtete 2010 hätten 782.699 Touristen das Land besucht; 350.000 Personen seien direkt, mehr als 1 Mio. indirekt angestellt. Am Bruttosozialprodukt habe der Tourismus einen Anteil von ca. 17,3 %.

Ein Verantwortungsträger der Tanzania Association of Tour Operators (TATO) forderte den Bau einer Alternative. Würde das Projekt wie geplant verwirklicht, würden "alle unsere Rhinozerosse verschwinden", die motorisierte Wilderei würde zu-, der Tourismus abnehmen, was Arbeitsplätze koste. Außerdem bestehe die Gefahr, dass der Serengeti Nationalpark von der UNESCO-Welterbe-Liste gestrichen wird.

Die Beteiligten des Dialogs beschlossen, will man zu einem Konsens kommen, müssen die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung und die der Umweltschützer integriert werden. (DN 29.4.11; Guardian 29.4./9.5.11, Citizen 29.4.11; Arusha Times 7.5.11)

Änderungen

Die Regierung stellte ihren Straßenbauplan zurück. Der Minister für Naturschätze und Tourismus sagte, die Regierung werde mit dem Bau einer Straße südlich des Ngorongoro-Schutzgebietes und des Serengeti-Nationalparks fortfahren. Die geplante Straße im Norden werde aus zwei Teilstrecken bestehen: östlich 214 km Teerstraße von Mto-wa-Mbu bis Loliondo (Arusha-Region), westlich 117 km von Makutano über Natta bis Mugumu (Mara-Region); die 123 km innerhalb des Nationalparks bleiben ungeteert.

Kikwete wiederholte, bei der Straße durch den Serengeti-Nationalparks handle es sich um eine als Piste eingestufte Erdstraße. (DN 1./22.7.11; Guardian 19.7.11; Citizen 25.6.11)

Die Tourism Confederation of Tanzania (TCT) lobte die Entscheidung der Regierung. Sie begrüßt es, wenn für die Gemeinden rund um den Nationalpark zuverlässige Zubringerstraßen gebaut werden. (Citizen 4.7.11)

Tansania und Uganda vereinbarten, die geplante Eisenbahn von Tanga über Arusha nach Musoma nicht durch den Serengeti-Nationalpark zu bauen, um das Welt-Naturerbe und das Ökosystem des Nationalparks zu schonen. Die tansanische Regierung informierte das UNESCO World Heritage Committee über die geänderten Pläne. (DN 30.6.11; Guardian 30.6./1.7.11)

Kenia ist erleichtert. Seine Bitten und die der Weltbank und der deutschen Regierung bewirkten, dass der Bau einer Straße durch den nördlichen Teil der Serengeti aufgegeben wurde, Maasai Mara in Kenia nicht von der Wanderroute der 2 Mio. Gnus und Zebras abgeschnitten wird. (Nairobi Star 29.6.11)

Das World Heritage Committee of UNESCO lobte den Beschluss der Regierung, die Route der umstrittenen Straße zu ändern. Sie forderte, die internationale Gemeinschaft und die Geberagenturen auf, eine Unterstützung der Südroute, die den Serengeti-Nationalpark verschont, zu erwägen. (Citizen 18.7.11)