Aussenbeziehungen ‐ 01/2025
Tansania und die EU
Am 10.12.2024 diskutierten Rita Lareanjinha, als Vertreterin der Europäischen Union mit Zuständigkeit Afrika, mit dem tansanischen stellvertretenden Außenminister Cosato D. Chumi auf der Basis des Samoa-Abkommens über ihre ökonomische Partnerschaft und Sicherheit. Das Samoa-Abkommen ist ein völkerrechtlicher Vertrag zwischen EU und den afrikanischen, karibischen und pazifischen Staaten, unterzeichnet im November 2023, der die günstigeren Zollkonditionen dieser Staaten mit der EU regelt, verbunden mit Anforderungen an Menschenrechte und Staatsführung sowie Reziprozität im Handel und Differentiation auf der Basis des Entwicklungsstands.
In den zurückliegenden zehn Jahren habe die EU mehr als 3 Mrd. € in Tansania investiert, so die EU-Vertreterin, wobei der privatwirtschaftliche Sektor eine entscheidende Rolle gespielt habe. Von den 400.000 Touristen, die 2023 Sansibar besuchten, stammten 70 % aus der EU. Die EU sehe in Tansania das Potential, ein regionaler Handels- und Verkehrsknotenpunkt zu werden. Das Land profitiere vom Binnenhandel der Ostafrikanischen Gemeinschaft. Die EU-Vertreterin lobte Tansanias Beitrag zur Stabilität in der Region der Großen Seen und in Nordmosambik. Sie brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass Tansania daran arbeite, im Vorfeld der Parlamentswahlen im Herbst 2025 Chancengleichheit für alle Parteien herzustellen. Die EU überwache nicht die Wahlen in ihren Partnerländern, doch die Partnerschaft beruhe auf dem gemeinsamen Engagement für Rechtsstaatlichkeit, demokratische Prinzipien und die Werte der UN-Menschenrechts-Charta, denn man sei überzeugt, dass diese die Voraussetzung für den Fortschritt der Gesellschaft, Stabilität und Sicherheit seien. Die Regierung habe ihr Interesse bekundet, zu den Wahlen unabhängige Beobachter einzuladen. Im Rahmen der Europäischen Friedensfazilität beantragte Tansania militärische Hilfe. 2024 hatten die Rüstungsausgaben des Landes einen historischen Höhepunkt erreicht, insbesondere aufgrund der erforderlichen Grenzsicherung zum DR Kongo und Mosambik mit besonderem Augenmerk auf Terrorismus.
Chanzo, 12.12.2024, Citizen 12./18.12.2024
WHO-Afrika
Nach Dr. Faustine Nduguliles Tod am 27.11.2024 wurde Prof. Mohammed Janabi als neuer Kandidat für den Posten als Leiter der Afrikaabteilung der Weltgesundheitsorganisation bestimmt. Der Mediziner, der auch einen Master in Naturwissenschaften und Philosophie hat, ist gegenwärtig geschäftsführender Direktor des Muhimbili-Nationalkrankenhauses (MNH) und spielt bei der Modernisierung des tansanischen Gesundheitssystems eine bedeutende Rolle. Mit seinen sehr guten Kontakten zum medizinischen Privatsektor verfolgte er den Plan das MNH zu einem Zentrum für Medizintourismus zu machen. Janabi hat außerdem an der Muhimbili University in Dar es Salaam und an der medizinischen Fakultät der Universität von South Carolina gelehrt.
Citizen, 11.12.2024
Während einer Pressekonferenz des MNH versprach Prof. Mohamed Janabi, dass er bald bekannt geben werde, ob er das Angebot annehmen könne. Präsidentin Hassan hatte ihn bei der Vereidigung des neuen Kabinetts vorgeschlagen. Dem Krankenhaus sei es unter seiner Leitung gelungen, Überweisungen ins Ausland um 90 % zu reduzieren. Ein großes Problem sei, dass viele Patienten für ihre Behandlung nicht bezahlen könnten. Nach seiner Erfahrung, so Janabi, sei die Hauptursache für viele Krankheiten die Lebensweise der Patienten etwa falsche Ernährung und zu wenig Bewegung, zu hoher Konsum tierischer Proteine oder zu hohe Stresswerte.
Guardian, 13.12.2024