Gesundheit ‐ 03/2025
Schwangere Schülerinnen
Das Recht adoleszenter Mütter auf Bildung wird in Tansania nicht gewahrt und der jahrzehntelange systemische Ausschluss Nicht-Volljähriger von Bildung ist nicht korrigiert. Noch immer droht schwangeren Schülerinnen Stigmatisierung und Diskriminierung. Im November 2021 hat sich Tansania von den bis dahin üblichen Verfahren distanziert, doch weiterhin fehlen die rechtlichen Direktiven, die Bildungsstätten zu entsprechendem Handeln zwingen würden, wie auch die erforderlichen angemessenen Unterkünfte. Im Februar 2022 gab das Bildungsministerium einen Leitfaden für den Umgang mit Schülern heraus, die, aus welchem Grund auch immer, die Primar- oder Sekundarschule vorzeitig verlassen hatten. Jedoch werden darin Vorgaben gemacht, die gegen die Menschenrechte verstoßen, so z.B. dürfen Schülerinnen erst zwei Jahre nach der Geburt ihres Kindes in die Schule zurückkehren und im Fall einer zweiten Schwangerschaft, gar nicht. Im Oktober 2024 sicherte die Regierung zu, ihre Erziehungsgesetzgebung bis Ende 2025 zu überarbeiten und auf die Höhe der meisten anderen afrikanischen Länder zu bringen.
UNIZEFs Direktor für Geschlechtergerechtigkeit, Dr. Lauren Rumble, erklärt, wie das Thema in der Vision 2050 und Tansanias Weg zu einem Land mit mittlerem Einkommen im oberen Bereich berücksichtigt werden sollte. Nicht nur die Bildung und Gesundheit von Mädchen sei wichtig, sondern auch ihre wirtschaftliche Ermächtigung. Der Runde Tisch der tansanischen CEOs hat ein Programm auf den Weg gebracht, um bis 2027 die Zahl weiblicher Unternehmerinnen auf 5.000 zu steigern. Mangelnde Schulhygiene, so Dr. Rumble, fördere Geschlechterungleichheit. In 40 % der tansanischen Schulen fehle eine angemessene Wasch-, Hygiene- und Sanitärversorgung. Deshalb blieben 50 % der Mädchen während der Periode dem Unterricht fern.
HRW, 23.01.2025, Citizen, 04.02.2025
AIDS-/HIV-Medikamente
Seit 2003 finanzierte ein US-Sonderprogramm Tests, Medikamente, Sozialarbeit und Pflege mit weltweit 110 Mrd. $. Doch nun hat Präsident Donald Trump alle Entwicklungshilfe ausgesetzt. Damit entgehen Tansania 450 Mio. $, die jährlich fast 1,2 Mio. Tansanier mit HIV-Medikamenten versorgten. Experten erwarten unter diesen Bedingungen bis zu 30.000 zusätzliche AIDS-Tote in Tansania in den nächsten zwei Jahren. Tansania steht an dritter Stelle der acht afrikanischen Länder, die auf die Gesundheitsprogramme von USAid angewiesen sind.
EastAfrican, 15.02.2025
Amerikas WHO-Austritt
Der Rückzug der USA aus der WHO kommt zu einem Zeitpunkt, in dem ihre Gesundheitsprogramme in Afrika bereits in acht von zwölf Bereichen zu 50 % unterfinanziert sind. Bisher sind 22 % der WHO-Mitgliedsbeiträge von den Vereinigten Staaten. Der USA-Anteil freiwilliger/gespendeter Beiträge liegt bei 16 % und kommt v.a. HIV-/Aids-Patienten, der Polio-Eradikation und gesundheitlichen Notfällen bzw. der Vorbereitung auf Pandemien (Ebola, Covid-19, Mpox, Marburg!) zugute. Das Ziel, HIV/Aids bis 2030 auszumerzen, ist jetzt in Frage gestellt. Zu spüren wird der finanzielle Rückschritt auch bei der Tuberkulose- und Malariabekämpfung sowie in der Mutter-Kind-Fürsorge sein. Zuletzt hatten die USA/WHO einen Marburg-Ausbruch in Uganda unter Kontrolle gebracht und die WHO hatte mit den Afrikanischen Zentren für Krankheitsbekämpfung und Schutzmaßnahmen Mpox als gesundheitliche Notlage für Afrika erklärt. Ein Experten- und Führungsvakuum wird u.a. bei der Seuchen-Prävention erwartet. Dies könnte eine Chance für afrikanische Eigenverantwortlichkeit sein, aber auch dafür, um für die WHO zu kämpfen.
Conversation, 29.01.2025, Citizen, 18.02.2025
Karim Aga Khan IV.
Am 04.02.2025 verstarb 88-jährig Karim al-Husseini, der IV. Aga Khan. Mit seiner Stiftung fördert er weltweit Gesundheit und Erziehung. Weil er seine frühe Kindheit in Nairobi verbrachte, unterstütze und gründete er zahlreiche Bildungs- und Gesundheitsstätten in Ostafrika, u.a. die Aga-Khan-Universität in Dar es Salaam (AKU), die 2025 den 20. Absolventenjahrgang mit 71 Graduierten feierte. Die AKU unterhält Zweige in Kenia, Uganda und Pakistan mit jährlich um die 850 Absolventen.
Citizen, 25.02.2025
Marburg-Virus
Die Spende von 150.000 € durch die EU als wohlwollende Geste im Zuge des zunächst geleugneten Marburg-Ausbruchs in der Kagera-Region Ende Januar an das tansanische Rote Kreuz nimmt der Kommentator zum Anlass, um die Regierung auf längst schon überfällige und durch Präsidentin Hassan vor mehreren Jahren angekündigte Reformen zur Stärkung von Eigenverantwortung und zum Umgang mit Notfällen/Katastrophen zu erinnern. Hilfe werde nicht immer verfügbar sein, zumal sich die Nationen gegenwärtig mehr auf ihr eigenes Vorankommen besännen. Stark ansteckende Seuchenausbrüche wie durch das Marburg-Virus könnten bei Leugnung zur Katastrophe führen.
Guardian, 14.02.2025